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In
dem Roman „Mein Leben auf der Waschmaschine“ schildert
Mark Kuntz seine Erlebnisse als Familienvater, der eine gut
bezahlte Anstellung zugunsten von Familie und Freiberuflichkeit
aufgibt. Er übernimmt die Rolle der Hausfrau, während
seine Partnerin zurück in den Vollzeit-Job geht. Der neue
Alltag des ehemals gelangweilten Managers wird nun von
Kinderspielplatz, Essen machen, Einkaufen, Wäsche waschen und
Arbeiten in den späten Abendstunden bestimmt. Ein Vaterbild,
das uns noch utopisch erscheint, aber irgendwann durchaus normal
sein könnte.
Ein moderner Hausmann, der die Kinder versorgt, den Haushalt
schmeißt und in der freien Zeit noch Geld mit einer kreativen
Tätigkeit verdient? Das ist das Bild, das Mark Kuntz in seinem
Buch von einem außergewöhnlichen Familienvater zeichnet.
Er hat es selbst so erlebt, weil er es unbedingt wollte. Es war
ihm, wie er sagt, zuwenig, die Kinder nur abends zu sehen und am
Wochenende von ihnen genervt den Rückzug anzutreten. Es fiel
ihm daher nicht allzu schwer, seinen lukrativen aber
eintönigen Job in einer Firma zugunsten einer freiberuflichen
Tätigkeit von zu Hause aus aufzugeben. Eine Entscheidung, die
in seinem Umfeld vielerorts Unverständnis und
Kopfschütteln hervorrief der Tatsache zum Trotz, dass er in
einem Vorort von Hamburg lebt, in dem zum Großteil ein sehr
modernes Beziehungs- und Partnerschaftsmodell gelebt wird. Viele
Männer sind freiberuflich tätig und empfinden es als
selbstverständlich, sich zur Hälfte an den
häuslichen Pflichten zu beteiligen.
Seine Erfahrungen in dieser intensiven Zeit zu Hause haben ihn
seinen Kindern so nahe gebracht wie er es als klassischer Vater,
der die meiste Zeit außerhalb der eigenen vier Wände
verbringt, nie hätte erleben können. „Allein
dafür hat sich das Ganze auf alle Fälle gelohnt“,
meint der Autor. Er habe ganz bewusst diese Vorreiterrolle
eingenommen, um etwas Neues auszuprobieren, das einen Fortschritt
im Rollenverständnis Mann-Frau bewirken soll.
Männer sind die besseren Hausfrauen
Man nimmt gemeinhin an, dass Männer mit den vielen
Anforderungen, die Kinder, Haushalt & Co. Mit sich bringen,
überfordert sind. Mark Kuntz sieht das ganz anders: In seinen
Augen schlagen sich „Hausmänner“ wackerer als ihre
weiblichen Pendants, weil sie Kinder, Haushalt und Beruf besser
unter einen Hut bringen. Wie das? „Berufstätige Frauen
mit Kindern setzen sich unter enormen Druck, alles perfekt machen
zu müssen. Der Mann in dieser Rolle nimmt alles viel lockerer,
und hat auch kein Problem damit, wenn es in einer Ecke mal nicht
aufgeräumt ist.“
Genau mit diesen hohen Ansprüchen setzen die Karrierefrauen
aber auch ihre Hausmänner unter Druck, was zu Streit und
unnötigen Problemen führt. Die Art und Weise, wie
Männer die Dinge erledigen sind für Frauen oft
inakzeptabel — ein Lernprozess für alle, der noch eine
Zeit lang andauern und von allen Beteiligten große Opfer
verlangen wird.
Die Familie definiert sich neu
Generell, so meint Mark Kuntz, steckt unser Familienmodell in einer
Umbruchphase. Beide Partner wollen sich verwirklichen, was nicht
zuletzt auch zu den vielen Trennungen führt. Auf die Frage, ob
bei so vielen Verpflichtungen jedes einzelnen einfach zu wenig Zeit
für echte Zweisamkeit bleibt? Nicht unbedingt, so Mark Kuntz,
denn wenn man allein wäre, auch Beruf, zwei Kinder und
Haushalt zu bestreiten hätte, und man würde sich in
jemanden verlieben, wäre für den neuen Menschen
plötzlich auch genügend Zeit vorhanden. Die hohe
Belastung des modernen Menschen ist also keine Ausrede dafür,
dass viele Beziehungen auseinander gehen. Aber auch ihm ist es
nicht gelungen, die Liebe zur Partnerin am Leben zu erhalten,
letztendlich kam es auch bei den beiden zur Trennung.
Die Zukunft ist rosig
Das alles ist aber kein Grund, pessimistisch in die Zukunft zu
blicken, im Gegenteil. „Wir stehen alle in einem
Entwicklungsprozess, um wieder neue Formen des Zusammenlebens zu
entwickeln, etwas Neues zu finden. Es wird sich in Richtung von
stabilen Partnerschaften entwickeln, die mit den für uns noch
ungewohnten Gegebenheiten besser umgehen werden“, davon ist
er überzeugt.
Im Augenblick sieht er schon sehr positive Entwicklungen unserer
heutigen Zeit. Die Schulen haben sich beispielsweise zu etwas
gemausert, was noch in seiner Schulzeit undenkbar gewesen
wäre: Mit einer Mischung aus Strenge
und liebevoller Zuwendung sind sie eine emotionale und soziale
Stütze, in deren Umfeld selbstsichere, empathiefähige
Kinder mit starken Persönlichkeiten heranwachsen. Und somit
für härtere Zeiten bestens gewappnet sind.
Zum Autor:
Mark Kuntz wurde 1962 in Hamburg geboren, studierte Psychologie und
lernte an der Henri- Nannen-Journalistenschule. Von 1990 bis 1994
war er Redakteur, von 1998 bis 2002 Stellvertretender
Chefredakteur der Zeitschrift „Brigitte“. Heute
arbeitet er als freier Journalist und Autor. Mark Kuntz ist
verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Hamburg.
Mein Leben auf der
Waschmaschine
kindler
Hardcover, 192 S.
16.01.2009
14,90€
ISBN 978-3-463-40531-5
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