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Experteninterview mit Hannah Lothrop,
Sachbuchautorin
Welche Vorteile hat Stillen für ein Baby?
Das Stillen ist nicht nur aufgrund der nahezu vollkommenen
Zusammensetzung der Muttermilch ideal für ein Baby, es
beeinflusst auch seine Entwicklung in hervorragender Weise. Viele
Vorzüge beginnen Wissenschafter gerade erst zu verstehen,
ständig werden neue Entdeckungen gemacht.
Muttermilch enthält viele Abwehrstoffe, die Babys nicht nur
während der Stillzeit vor Infektionen schützen —
eine Untersuchung zeigte, dass Kinder, die ein halbes Jahr voll
gestillt wurden, später nur halb so häufig krank waren
wie Kinder, die weniger als zwei Monate gestillt wurden.
Muttermilch ist bei der Verhütung von Allergienwichtig. Sie
enthält auch zahlreiche Faktoren, die die Entwicklung des
Nervensystems des Babys fördern und anscheinend auf seine
psychische Entwicklung einen positiven Einfluss haben. Stillen
scheint außerdem späterer Fettsucht, Karies, Diabetes
sowie Schilddrüsenerkrankungen vorzubeugen.
Die Gaumen-, Gebiss- und Gesichtslinienentwicklung werden ebenfalls
durch das Stillen begünstigt.
Welche Vorteile hat Stillen für die Mutter?
Stillen unterstützt die rasche Rückbildung der
Gebärmutter nach der Geburt und wirkt somit Blutungen und
Infektionen im Wochenbett entgegen. Frauen, die gestillt haben,
sind weniger gefährdet, später einmal Brustkrebs zu
bekommen. Muttermilch kostet nichts. Das Aufwärmen und
Sterilisieren von Flaschen entfällt, die Milch ist in der
richtigen Temperatur und rein vorhanden. Die während der
Stillzeit wirkenden Hormone haben eine harmonisierende Wirkung auf
die Mütter. Viele Frauen genießen den Kontakt mit ihrem
Baby.
Was sollten Mütter beachten, in deren Familie Allergien
aufgetreten sind?
Kinder aus Allergikerfamilien zeigen meist auch selbst eine
größere Neigung zu Allergien. Zunehmend mehr Kinder
reagieren auf Kuhmilcheiweiß allergisch. Bei
Allergieanfälligkeit soll selbst eine einzige Flasche
Flaschennahrung, zumindest während des ersten
Lebenshalbjahres, vermieden werden. Auf jeden Fall sollte ein
allergiegefährdetes Baby als Erstnahrung Kolostrum erhalten
(das ist die Milch, die in der Brust vor dem
„Einschießen“ der reifen Muttermilch vorhanden
ist), um damit die Schleimhäute seines Magen-Darm- Traktes zu
„versiegeln“. Manche Babys reagieren sogar allergisch
(z. B. mit Koliken, Durchfall oder Hautekzemen) auf
Kuhmilcheiweiß oder sonstiges artfremdes Eiweiß, das die
Mutter in ihrer Nahrung zu sich nimmt. Bei solch einem
empfindlichen Baby sollte auf keinen Fall die Muttermilch abgesetzt
werden, sondern mit detektivischem Spürsinn der
„Übeltäter“ herausgefunden und für
etliche Monate vom Speiseplan gestrichen werden.
Was gilt es beim Anlegen des Babys zu beachten?
Neuere Erkenntnisse haben gezeigt, dass viele Stillprobleme —
wie wunde Brustwarzen, Milchstau, mangelndes Fließen der
vorhandenen Milch, Milchmangel und kindliche Blähungen —
hauptsächlich vom ungünstigen Anlegen herrühren. Das
Baby sollte so im Arm der Mutter liegen, dass seine Vorderseite von
Kopf bis zu den Füßen ganz dem Körper der Mutter
zugewandt und damit in Kontakt ist, sein Kopf nicht seitlich
gedreht oder abgeknickt ist und ihre Brustwarze direkt in der Mitte
seines Mundes zu liegen kommt. Sein Kopf liegt dabei in der
Armbeuge der Mutter, während die breit gefächerte Hand
desselben Armes ganz sicher seinen Po oder seinen Oberschenkel
umfasst und es nah an ihren Körper heranzieht.
Mit der anderen Hand — die Finger unterhalb der Brust und
außerhalb des Warzenhofs — hebt die Mutter jetzt ihre
Brust an und kitzelt das Baby mit ihrer Brustwarze sanft an der
Unterlippe, bis es seinen Mund wie ein Vögelchen weit
aufsperrt und beim Heranziehen Brustwarze und einen großen
Teil des Warzenhofes erfassen kann. Nasenspitze und Knie
berühren den mütterlichen Körper. Bei
Befürchtungen, dass es nicht genügend Luft bekommt, kann
die Mutter seinen Po noch näher an sich heranziehen oder ihre
Brust mit einer stützenden Hand etwas anheben. Bei
Unsicherheit kann eine Stillberaterin Hilfestellung geben.
!TIPP: Trinken Sie soviel wie möglich. Am besten
drei bis vier Liter pro Tag. Egal ob Mineralwasser,
Fruchtsäfte, Früchte- oder Kräutertees. Hauptsache,
Sie gleichen den Flüssigkeitsverlust aus, der Ihnen beim
Stillen entsteht.
Buchtipp

Das
Stillbuch von Hannah Lothrop
Kösel
Verlag
ISBN
3-466-34324-0
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