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Warum es gerade bei jüngeren Lesern wichtig
sein kann, eine Leitfigur zu entwickeln
Kinder sind von Natur aus wissbegierig und neugierig. Diese
Entdeckerfreude kann man gerade beim Lesen nutzen und Bücher
anbieten, wo sich schon die Jüngsten wieder finden oder eine
Leitfigur kennen lernen, die Abenteuer erlebt, die sie auch kennen.
Kann sich das Kind mit dem/der Protagonisten/in identifizieren,
wird die Art, wie diese Figur ihren Alltag erlebt und Probleme
meistert, auch den jungen Lesern eine Möglichkeit zeigen,
kreativ auf Anforderungen zu reagieren und ihnen das Gefühl
vermitteln mit ihren Sorgen und Nöten nicht allein zu
sein.
Eltern Magazin sprach mit Monika Iatrou über
„Paligari“ und die Wichtigkeit gerade in der Kindheit
auf unterschiedlichste Weise die persönliche Entwicklung zu
fördern, damit Kinder ihre Fähigkeiten, Wünsche und
Bedürfnisse entfalten können.
Warum wollten Sie Kinderbücher schreiben?
Ursprünglich hatte ich an Kinderbücher überhaupt
nicht gedacht. Angefangen hat alles mit einem Ratgeber für
Erwachsene. In diesem Buch vermittle ich, welche Potentiale in uns
stecken und wie wir diese jeden Tag nutzen können. Immer
wieder habe ich von den LeserInnen gehört: „Wenn ich das
schon früher gewusst hätte!“. Wann ist früher?
Je früher desto besser, also schon von Kindheit an. Eines
Tages stand mein Entschluss fest. Ich schreibe Geschichten für
Kinder.
Wie ist die Figur Paligari entstanden?
Das Konzept dazu ist gewachsen.Wie kann ich Kinder am besten
erreichen? Das hat mich lange beschäftigt. Schließlich
hat mir die Idee einer Leitfigur gut gefallen. Diese Figur musste
menschlich sein und das Leben eines Kindes führen. Der Name
Paligari ist übrigens verwandt mit einer griechischen
Bezeichnung für einen guten Freund. Auch das war stimmig
für mich, denn mit Paligari sollen sich die Kinder
identifizieren können.
Inwieweit haben Sie autobiographische Erlebnisse verarbeitet
und warum?
Einige Erfahrungen kommen aus meiner eigenen Kindheit, an die
ich mich noch heute erinnere. Nur damals wurde aus meiner heutigen
Sicht nicht konstruktiv damit umgegangen. Besonders wichtig ist
mir, dass ich echte Geschichten aus dem Leben schreibe. Meine
eigene Biografie hat dazu ausreichend Material und auch in meinem
Umfeld finde ich genug Anregungen.
Was möchten Sie mit Ihrer Figur bewirken?
Ich möchte Kindern, aber auch den Erwachsenen, zeigen, wie
wir Menschen mit Sorgen und Problemenmöglichst konstruktiv
umgehen können. Wie können wir auf Anforderungen
reagieren? Außerdem finde ich eine positive Grundeinstellung
wichtig. Neugierig und offen zu sein, so wie es Kinder ohnehin
sind. Auch dadurch ist Paligari als Kind fürmich die ideale
Figur in meinen Geschichten. Die Art und Weise, wie Paligari mit
seinen Problemen umgeht, zeigt Kindern eine Möglichkeit,
kreativ auf Anforderungen zu reagieren.
Sie arbeiten ja auch in der Jugend- und
Erwachsenenbildung.
Warum ist gerade die Kindheit eine so wichtige und prägende
Zeit?
Ich arbeite in Persönlichkeitstrainings schon seit Jahren
mit jungen Menschen und habe immer wieder bemerkt, dass vielen die
Perspektiven im Leben fehlen, aber dass sich Jugendliche sehr gerne
an Vorbildern orientieren. Diese Erfahrungen und meine eigenen
Erlebnisse wollte ich noch mehr Menschen vermitteln, als es in
Trainingsgruppen geht. Kinder sind unsere zukünftige
Gesellschaft und eine gesunde Gesellschaft ist entscheidend, wie
Menschen miteinander umgehen.Wir lernen in den ersten Lebensjahren,
wie wir auf Probleme oder Unerwartetes reagieren.
Welchen Einfluss haben Bücher und Geschichten auf die
Entwicklung eines Kindes?
Der frühe spielerischeUmgangmit Büchern wirkt sich bei
Kindern positiv auf die spätere Lese- und Lernleistung aus.
Mit Büchern und Geschichten können Kinder an den aktiven
Gebrauch von Sprache herangeführt werden. Mit Geschichten
erhalten Kinder Informationen und Anregungen. Sie erfahren Neues
und erweitern so ihren Möglichkeitsbereich. Sie kommen in
Kontakt mit verschiedenen Charakteren: gut und böse, mutig
oder feige, was ist richtig, was ist falsch. Sie lernen eine
Meinung zu bilden und erfahren, was passiert, wenn ich so oder
anders reagiere.
Wie kann eine Leitfigur in einem Buch, Kindern helfen,
kreativ auf Anforderungen zu reagieren?
Menschen orientieren sich an Vorbildern. Besonders Kinder lernen
vom Nachmachen. Eine Leitfigur, so wie Paligari, der ein
gewöhnlicher Mensch ist wie wir alle, kann eine Vorbildfigur
sein.
Wie kann man schon bei ganz kleinen Kindern die Lust am Lesen
wecken?
Die Lust am Lesen wird schon sehr früh geprägt.
Vorbildcharakter sind die Erwachsenen, Eltern und
PädagogInnen. Spielerisch können Kinder mit Literatur an
den aktiven Gebrauch von Sprache herangeführt werden, einen
emotional positiven Zugang zu Geschichten und Märchen bekommen
und Freude beim Zuhören erfahren. Dadurch wird schon die
spätere Lesekompetenz geprägt. Kinder sind aber auch sehr
kritisch. Kinder brauchen Neues und Aufregendes, etwas, das ihre
Aufmerksamkeit fesselt. Lesen soll nicht vordringlich Lerncharakter
haben, sondern muss vor allem Spaß machen und spannend
sein.
Monika Iatrou ist Malerin mit internationalen
Ausstellungen und arbeitet auch als Autorin und Ghostwriter. Unter
ihren eigenen Veröffentlichungen sind alltagstaugliche
Ratgeber für Erwachsene. Ein weiterer Schwerpunkt ihres
umfangreichen Tätigkeitsbereiches sind Seminare in der Jugend-
und Erwachsenenbildung.
www.paligari.com
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