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Herausforderung Kind und Karriere

Heidrun Silhavy

Bundesministerin für Frauen, Medien und Regionalpolitik

Was können Sie unseren Leserinnen empfehlen, die vor der großen Herausforderung stehen, ihre Kinder mit ihrem Beruf zufrieden stellend für alle, zu vereinbaren?

Viel zu häufig müssen Frauen immer noch die schwierige Wahl zwischen Familienleben und einer erfolgreichen Karriere treffen. Um Beruf und Familie vereinbaren zu können, sind viele verschiedene Faktoren wichtig. An erster Stelle sollten dabei immer die Wünsche und Bedürfnisse der Frau stehen. Wie lange die Berufsunterbrechung sein soll und unter welchen Voraussetzungen der Wiedereinstieg in den Beruf erfolgen soll, ist grundsätzlich die Entscheidung der Frau. Sie soll diese Entscheidung unabhängig von gesellschaftlichen Einflüssen treffen können.

Damit Frauen ihre individuelle Lebensplanung realisieren können, sind allerdings auch andere UnterstützerInnen gefragt. So ist etwa eine möglichst konkrete und frühzeitige Planung des Wiedereinstiegs mit der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber für beide Seiten vorteilhaft, da sich beide auf die Veränderungen, die mit einem Kind gerade auf Frauen zukommen, besser einstellen können. Neben diesem für das weitere Erwerbsleben wichtigen Punkt spielt auch die Verfügbarkeit eines qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsangebots eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund freue ich mich, dass der Bund nun erstmals seit sieben Jahren wieder Geld in die Hand nimmt, um gemeinsam mit den Bundesländern mit 1. Jänner 2008 eine Kinderbetreuungsoffensive zu starten. Damit soll ein größeres und buntes Angebot geschaffen werden, bei dem die Qualität im Vordergrund steht. Es geht mir darum, dass Kinder die bestmögliche Betreuung erhalten.

Eltern müssen ihre Kinder in den Betreuungseinrichtungen gut aufgehoben wissen und diese müssen mit sozial gestaffelten Beiträgen auch leistbar sein. Auch die finanzielle Absicherung ist bei der Gründung einer Familie wichtig. Dazu zählen neben dem Einkommen auch die Familienleistungen, also die Familienbeihilfe und das Kinderbetreuungsgeld. Mit dem neuen flexiblen Kinderbetreuungsgeld ermöglichen wir es den Frauen, die das möchten, eine frühere Rückkehr in den Beruf ohne finanzielle Verluste. Der Wiedereinstieg in den Job ohne Einbußen ist leichter, je kürzer die Babypause ist.

Ganz entscheidend ist aber aus meiner Sicht, dass Kinderbetreuung nicht die alleinige Aufgabe der Frauen ist. Eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit ist ein entscheidender Schritt zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wenn es uns gelingt in all diesen Bereichen verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen, erleichtern wir es jungen Frauen und Männern, sich für Kinder und Beruf zu entscheiden.

Es wird schon sehr lange über das „Papamonat“ gesprochen — was können wir uns genau darunter vorstellen?

Die Geburt eines Kindes ist eine wichtige Weichenstellung für eine Veränderung der Rollenverteilung. Müttern wird die Betreuung des Kindes und der (zeitweise) Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit, Vätern die Rolle der Sicherung des Familieneinkommens zugeschrieben. Nach der Berufsunterbrechung wird dieses Rollenmuster des männlichen Ernährers und der weiblichen Zuverdienerin vielfach verfestigt. Zur Förderung der Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern ist der Papamonat wichtig, um dieses Rollenmuster zu durchbrechen. Um Vätern eine mit der Mutter gemeinsame Betreuung des Kindes im Anschluss an die Geburt zu ermöglichen, soll der „Papamonat“ eingeführt werden. Mit einem solchen „Papamonat“ soll der Vater einen Anspruch auf eine vier- bis achtwöchige berufliche Freistellung erhalten. Für diese Zeitspanne ist es unerlässlich, eine entsprechende soziale Absicherung mit Versicherungs-, Kündigungs- und Entlassungsschutz zu gewährleisten. Darüber hinaus muss es einen entsprechenden Entgeltersatz in dieser Zeit geben. In der Ausgestaltung des Papamonats sind Kreativität und Flexibilität gefordert. Es gibt ja auch noch einige andere Vorschläge wie ein solcher Papamonat aussehen könnte. Da bin ich gerne gesprächsbereit. Wichtig ist das Ziel: Männern soll eine aktive Vaterschaft erleichtert werden.Oma und Kind

Könnte diese Maßnahme frischgebackene Mütter wirklich unterstützen, leichter wieder in ihren Beruf zurückzukehren?

Frauen müssen immer noch den Löwenanteil der Betreuungsarbeit leisten. Das zu ändern ist ein wichtiger Beitrag für mehr Chancengleichheit. Der vorgeschlagene „Papamonat“ ist ein Beitrag zu einer gestärkten familiären Bindung der Männer. Die am Anfang der Familienphase gelebte Zuwendung unterstützt in weiterer Folge den gesamten Lebensweg der Kinder sowie die Beziehung zur Partnerin.

In weiterer Folge erhoffen wir uns davon die vermehrte Inanspruchnahme des Kinderbetreuungsgeldes und damit der Betreuungszeit durch Männer. Damit könnten gleichzeitig auch das berufliche Engagement und die Karrieremöglichkeiten der Frauen sowie deren Entlastung wesentlich gefördert werden. Von mehr Partnerschaftlichkeit profitieren alle!

Wie und wo können sich junge Mütter Informationen und Unterstützung holen?

Zu den Themen rund um die Geburt und die damit zusammenhängenden Fragen gibt es zahlreiche Beratungseinrichtungen. Informationen gibt es unter anderem auf unserer Homepage unter

www.frauen.bka.gv.at und in der Frauenratgeberin, www.frauenratgeberin.at. Darüber hinaus stehen auch die österreichweit eingerichteten Familien- und Frauenberatungsstellen mit Rat und Tat zur Seite. Wenn es um Fragen die das Arbeitsverhältnis oder Familienleistungen betreffen geht, unterstützen auch die Arbeiterkammern und die Gewerkschaften.

Weiters informieren meine Mitarbeiterinnen in der Frauenservicestelle und des speziellen Frauenservice für Migrantinnen unter der Nulltarifnummer 0800/202011 kostenlos und unbürokratisch zu frauenspezifischen Anliegen.

 
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