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Ängste
Ich freue mich so sehr auf unser Baby und kann es nicht abwarten,
es endlich im Arm zu halten. Aber jetzt, kurz vor der Geburt habe
ich fast jede Nacht Albträume, dass etwas schief gehen oder
nicht in Ordnung sein könnte. Ist das normal?
Es hat keinen Zweck, die Angst zu verdrängen. Versuchen Sie,
darüber zu reden! Am besten mit jungen Müttern, die das
Geburtserlebnis noch in frischer Erinnerung haben. Die meisten
erzählen sehr gerne ihre Erlebnisse, denn es ist ihnen ja vor
der Geburt genauso ergangen wie Ihnen jetzt. Jede Schwangere hat
Angst vor der ersten Geburt! Und Wissenschaftler haben Hinweise
darauf gefunden, dass Schwangere mit Angstträumen leichtere
Geburten haben als Frauen, die sich vorher nicht so intensiv in
ihrem Unterbewusstsein damit auseinander gesetzt haben. Auf jeden
Fall sind solche Träume nicht als Prophezeiung oder böses
Omen zu sehen. Bedenken Sie auch, dass lediglich ein kleiner
Prozentsatz aller Babys mit meist nur geringfügigen Defekten
geboren wird, die sich außerdem in aller Regel gut korrigieren
lassen. Und wiederum nur ein Bruchteil von ihnen hat wirklich
schwere Behinderungen. Außerdem kündigen sich Probleme
oft schon während der Schwangerschaft an. Die allermeisten
Kinder kommen völlig gesund zur Welt.
!Tipp:
Beruhigend ist es, wenn Sie merken, dass alle Schwangeren dieselben
Ängste haben.
Suchen Sie Kontakt mit anderen Schwangeren! Versuchen Sie auch,
sich mit dem Unbekannten vertraut zu machen: Schauen Sie sich das
Vorwehenzimmer und den Kreißsaal an und sprechen Sie mit dem
geburtshilflichen Team.
Fieber
Darf ich bei einer Erkältung in der Schwangerschaft ein
Medikament zum Fiebersenken einnehmen? Vermutlich kann
hohes Fieber in der Frühschwangerschaft beim Embryo
Fehlentwicklungen vor allem am zentralen Nervensystem
auslösen. Aus diesem Grund ist die Einnahme eines
fiebersenkenden Mittels sogar zu empfehlen. Der Wirkstoff
Paracetamolgilt für Schwangere als harmlos und deshalb als
Mittel der ersten Wahl.
Folsäure
Wie wichtig ist die Einnahme von Folsäure?
Wissenschaftlich unbestritten ist, dass eine ausreichende
Folsäureversorgung in der Frühschwangerschaft beim
ungeborenen Kind das Risiko für Neuralohrdefekte, wie einen
offenen Rücken, vermindert. Einige Studien deuten auch darauf
hin, dass frühe Fehlgeburten, eine Schwangerschaftsvergiftung
und eine vorzeitige Plazentalösung bei Folsäuremangel
etwas häufiger sind. Frauen, die eine Schwangerschaft planen,
sollten deshalb möglichst schon einen Monat vor Eintritt der
Schwangerschaft zusätzlich ein Folsäurepräparat
einnehmen, denn der Bedarf ist selbst bei bewusster Ernährung
mit viel grünem Gemüse allein nicht zu decken.
Nach der 12. SSW hat die Folsäure zwar keinen Effekt mehr auf
das Neuralrohr des Ungeborenen, denn die Organbildung ist im ersten
Drittel der Schwangerschaft abgeschlossen. Trotzdem ist es nicht
unvernünftig, weiter Folsäure einzunehmen. Sie ist
nämlich ein unverzichtbarer Baustein bei der Neubildung von
Zellen und deshalb an vielen wichtigen Prozessen im Körper des
ungeborenen Kindes beteiligt. Und auch der werdenden Mutter tut
eine erhöhte Folsäurezufuhr gut: Sie hilft bei der
Vermeidung einer Blutarmut
(Anämie) und soll sogar das Risiko für
Darmbabykrebs
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig senken.
Infektionen
Wie kann ich mich vor Scheideninfektionen
schützen?
Aufsteigende Infektionen von der Harnröhre oder der Scheide
sind die häufigsten Ursachen für vor- zeitige Wehen und
Frühgeburten. Und leider ist die Scheide durch die hormonellen
Veränderungen in der Schwangerschaft sehr viel
infektionsanfälliger. Deshalb sollte das Scheidenmilieu, also
der pH-Wert (Säuregrad) des Vaginalsekrets, im sauren Bereich
(unter 4,5) gehalten werden. Das können Sie mit
Indikatorpapier oder speziellen Indikatorhandschuhen aus der
Apotheke kontrollieren. Eine beginnende Vaginalinfektion kann dann
oft erfolgreich mit Laktobazillus-Scheidenzäpfchen behandelt
werden. Sie können auch einen Tampon in Naturjoghurt
tränken und diesen für maximal sechs Stunden in die
Scheide einführen. Wiederholen Sie dies vier bis fünf
Tage lang zweimal täglich. Bei Pilzinfektionen hilft ein
Ansäuerung allerdings nicht: Pilze wachsen unabhängig vom
pH-Wert der Scheide. In diesem Fall müssen Sie Ihren Facharzt
aufsuchen.
Kindsbewegungen
Ab wann spüre ich die Bewegungen meines
Kindes?
Etwa um die 22. SSW herum haben die meisten Schwangeren schon die
Bewegungen ihres Babys gespürt: ein Gefühl, das
häufig als Kitzeln, Blubbern, Platzen von Seifenblasen oder
als Flattern von Schmetterlingen beschrieben wird. Manche
Schwangere vergleichen es mit Darmbewegungen und Blähungen.
Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, bemerken selten vor der
20. SSW die ersten Bewegungen ihres Babys, manchmal sogar erst in
der 25. SSW. Bis zur 24. SSW sind regelmäßige Bewegungen
eher die Ausnahme, und es können Tage vergehen, an denen sie
gar nichts spüren. Frauen, die bereits schwanger waren, nehmen
meist schon in der 18. Woche oder sogar früher Kindsbewegungen
wahr, denn sie können aus ihrer Erfahrung das Gefühl
besser einordnen. Das Wahrnehmen der Kindsbewegungen ist auch
abhängig von der Lage des Mutterkuchens, der Fruchtwassermenge
und der Dicke der Bauchdecke. Ihre eigenen Aktivität sowie die
Ihres Kindes und Ihre Fähigkeit, in Ihren Körper
hineinzuhören, spielen ebenfalls eine Rolle.
Psyche
Kann Stress eine Fehlgeburt auslösen?
Als Schwangere haben Sie das Recht auf Ruhe und Harmonie in Ihrer
Umgebung, und das sollten Sie auch mit Nachdruck fordern. Sowohl
körperlicher als auch seelischer Dauerstress vermindern die
Durchblutung des Mutterkuchens und damit die Sauerstoffversorgung
des ungeborenen Kindes. Eine Fehl- oder später Frühgeburt
kann allerdings nur im Extremfall ausgelöst werden. Ob Sie
dafür ein besonderes Risiko haben, kann nur eine
körperliche Untersuchung klären, etwa die Messung der
Zervixlänge im Ultraschall oder eine CTG Untersuchung. Wenden
Sie sich dazu an Ihren Frauenarzt. Bei beruflichem Stress besteht
als Vorsorgemaßnahme die Möglichkeit, dass Ihnen von
Ihrem Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot erteilt
wird. Sie müssen dann an einen weniger belastenden
Arbeitsplatz versetzt oder ganz freigestellt werden. In dieser Zeit
steht Ihnen das volle Gehalt zu. Das Beschäftigungsverbot kann
so lange bestehen, bis der gesetzliche Mutterschutz
einsetzt.
Regelblutung
Ist es möglich, dass die Regelblutung trotz einer bestehenden
Schwangerschaft nicht ausbleibt? Wie ist das zu
erklären? Dass trotz bestehender Schwangerschaft
eineregelähnliche Blutung auftreten kann, ist möglich.
Dabei handelt es sich aber nicht um eine Regelblutung, sondern um
eine Nidationsblutung, d. h. um eine
„Einnistungsblutung“, die zur Zeit der Regel auftritt,
aber durch die Einnistung der befruchteten Eizelle in die
Gebärmutterschleimhaut entsteht. Durch das Einnisten der
Embryonalzellen in die Gebärmutterschleimhaut wird diese
verletzt und es kann zu einer meist leichten Blutung kommen, die
eben für eine Menstruationsblutung gehalten werden kann.
Nidationsblutungen sind aber keine Gefahr für die eingetretene
Schwangerschaft. Wenn es im Verlauf der Schwangerschaft aber
wiederholt zu Blutungen kommt, ist auf alle Fälle ein Facharzt
zu Rate zu ziehen, weil sich dann durchaus Schwierigkeiten mit der
Schwangerschaft einstellen könnten.
Sex
Kann Sex vorzeitige Wehen auslösen?
Diese Angst ist sehr häufig, aber unbegründet. Weder die
Bewegungen beim Sex noch die Kontraktionen in der Gebärmutter
beim und nach dem Orgasmus lösen Wehen aus - außer die
Gebärmutter ist sowieso schon wehenbereit, wie es bei einer
verkürzten Zervix und Frühgeburtsbestrebung oder ganz
normal vor der Geburt sein kann. Im letzteren Fall kann Sex sogar
zur natürlichen Wehenstimulation eingesetzt werden. Sowohl
eine Brustwarzenstimulation als auch ein Orgasmus und Wirkstoffe in
der Samenflüssigkeit regen dann die Wehen an und weichen die
Zervix auf.
Sport Muss ich zur Schwangerschaftsgymnastik
gehen, obwohl ich regelmäßig Sport
betreibe?
Ja, das ist unbedingt zu empfehlen! Sport ist in der
Schwangerschaft sehr gut, aber kein Ersatz für die
Schwangerschaftsgymnastik. In einem Geburtsvorbereitungskurs werden
zusätzlich Atemtechniken und spezielle Übungen zur
Geburtserleichterung trainiert. Das sind zum Beispiel
Dehnungsübungen im Bereich des Beckenbodens. Außerdem
werden Ihnen Übungen gezeigt, die viele der kleinen und
großen Beschwerden in der Schwangerschaft lindern können.
Und nicht zuletzt ist solch ein Kurs auch eine gute Gelegenheit,
andere Schwangere kennen zu lernen.
Toxosplasmose
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich mit
Toxoplasmose anstecke?
Und was bedeutet das für mein Kind?
Die Symptome der Toxoplasmose sind in den meisten Fällen so
schwach und unspezifisch, dass sie für einen leichten Anflug
von Grippe gehalten werden können. Deshalb kann nur mit einem
Test festgestellt werden, ob Sie gegen Toxoplasmose immun sind.
Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat schon eine
Toxoplasmose durchgemacht und ist immun dagegen. Trotzdem infiziert
sich statistisch immerhin eine von hundert Schwangeren zum ersten
Mal. Die Infektion geschieht meist über rohes oder nicht
genügend durchgebratenes Fleisch, seltener über andere
Lebensmittel und nur noch in wenigen Fällen über Tiere
(vor allem Katzen). Über den Mutterkuchen kann die
Toxoplasmose dann auf das ungeborene Kind übertragen werden.
Das ist umso wahrscheinlicher, je später die werdende Mutter
erkrankt. In der Frühschwangerschaft ist die Plazenta noch
relativ undurchlässig für die Parasiten. Außerdem
ist die Inkubationszeit recht lang. Kommt es im zweiten
Schwangerschaftsdrittel zu einer Infektion, die nicht behandelt
wird, sind die Auswirkungen auf das Ungeborene sehr schwer, vor
allem auf das Gehirn und die Augen. Dagegen führt eine
Infektion nach der 32. SSW praktisch nicht mehr zu kindlichen
Schäden, die nicht erfolgreich behandelt werden
könnten.
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