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“Man
muss noch ein Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern
gebären zu können“
(Friedrich Nietzsche)
Über Generationen hat ein männliches Ideal
überlebt: Ein guter Familienvater sorgt gut für seine
Familie. Und so war der Vater früher für die Familie da,
indem er weg war. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich das
Vatersein jedoch stark gewandelt. Väter von heute wollen
körperlich und seelisch präsent sein und sich als Mann in
die Familie einbringen. Obwohl beruflich immer noch sehr
eingespannt suchen sie nach Nischen und Möglichkeiten ihre
Kinder von Anfang an achtsam, respekt- und liebevoll zu begleiten.
Und das birgt die ungeahnte Möglichkeit in sich an ihre Kinder
weiterzugeben, wer sie wirklich waren und sind.
Baby
Guide sprach mit Felix Rohner-Dobler, Autor des Buches:
„Familien brauchen Väter“ und selbst Vater
von drei Kindern, über den Mut sich als Mann in der
Familie zu zeigen und die Lust Kinder zu begleiten
auf ihrem Weg hinein ins Leben.
Was brauchen Kinder von ihren Eltern um so aufwachsen
zu können, dass ihre wahre Natur nicht verleugnet wird
und sie so mehr mit sich und ihrem Inneren in Kontakt
bleiben können? Ich sehe ein Kind als
Samenkorn. Alles Wissen ist im Kind schon im Mutterleib keimhaft
grundgelegt und wartet nur darauf, sich zu entfalten. Die Aufgabe
des Erziehers ist eine Aufgabe des Gärtners. Er muss den Boden
bereiten, für genügend Wasser und Licht sorgen, damit das
Samenkorn wachsen kann. Damit ein Kind mit seinem Inneren in
Kontakt bleiben kann, braucht es eine vorbereitete Umgebung und
Eltern oder Erzieher, die das Kind so annehmen, wie es ist. Wir
müssen loslassen von der Vorstellung, dass unser Kind so zu
sein hat, wie wir oder die Gesellschaft das vielleicht erwartet.
Lassen Sie Ihrem Kind seine Zeit und versuchen Sie nicht aus Ihrem
Kind etwas anderes zu machen, als es ist. Ihr Kind ist Ihr Kind.
Schenken Sie ihm Liebe und Respekt und lassen Sie Ihr Kind seinen
Neigungen entsprechend wachsen.
Was ist das Besondere, das nur Väter an ihre
Kinder weitergeben können und welche „Gefahren“
gibt es für Kinder, die ohne Vater
aufwachsen? Das Besondere an Vätern (und wenn der
Vater nicht anwesend ist, an einer anderen männlichen
Bezugsperson, wie Onkel, Lehrer etc.) ist schlichtweg das
Maskuline, das Frauen nicht geben können. Väter sind
anders, Mütter auch. Archetypischerweise steht der Vater
für Struktur, Ordnung und die Welt außen. Alleine durch
sein Dasein führt der Vater sein Kind aus der verschmelzenden
Zweierbeziehung mit der Mutter heraus in eine Dreierbeziehung. Mein
Anliegen ist es, Väter, die Interesse an ihrer Familie haben,
zu ermutigen, diese großartige Herausforderung anzunehmen.
Welche „Geschenke“ kann ein Vater seinem
Kind mit auf den Weg geben? Das großartigste
Geschenk, das ein Vater seinen Kindern geben kann, ist seine
Präsenz. Der präsente Vater ist ein Präsent! Dabei
zählt weniger die Quantität der Anwesenheit, als vielmehr
die Qualität. Es ist wichtig, mit Leib und Seele ganz im Spiel
mit dem Kind zu sein und sei es nur eine halbe Stunde lang. Nur so
erlebt das Kind: „Mein Papa ist ganz bei mir und ich darf
ganz bei mir sein!“ Für viele Menschen macht es einen
bedeutsamen Unterschied, ob die Mutter sagt: „Ich bin stolz
auf Dich!“, oder ob dieser Satz vom Vater kommt. Spüren
Sie diesem Satz innerlich nach; einmal von Ihrer Mutter gesprochen,
einmal von Ihrem Vater. Die Anerkennung durch den Vater hat
für die meisten Menschen mehr Gewicht.
Wie kann ich mich als Erwachsener aus den Manipulationen
meiner Kindheit befreien und meinen eigenen Weg
gehen? Wahrscheinlich gelingt es mir nur dadurch, mich
aus den Manipulationen aus der eigenen Kindheit zu befreien, indem
ich mich mit meinem Selbst, meiner Geschichte auseinandersetze.
Vielfach ist das ein jahrelanger Prozess, der nie ganz
abgeschlossen ist. Die Entwicklung des Eigen-Sinns führt aber
zur Weisheit und einem erfüllten Leben.
Warum
gelingt es Kindern so leicht uns an unsere Grenzen zu
stoßen und wie gelingt es Eltern sich durch
Wutausbrüche nicht anstecken zulassen, sondern
respektvoll Grenzen zu setzen und so die
persönliche Verantwortung der Kinder zu
wecken? Unsere Kinder kennen uns. Schon sehr früh
wissen sie, wie sie uns auf die Palme bringen können. Dabei
sind unsere Kinder nicht boshaft. Sie wollen keinen Machtkampf.
Meistens wollen Kinder ihre Eltern lieben und mit ihnen
zusammenarbeiten. Manchmal setzen unsere Kinder uns einen Spiegel
vor und das kann ganz schön nerven. Es gibt keine Familie ohne
Konflikte. Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Pläne
und Interessen sind aber nichts Negatives. „Der Konflikt ist
der Vater aller Dinge!“ Konflikte veranlassen uns, das
Bestehende neu zu ordnen und zu verwandeln. Dadurch wachsen und
reifen wir. Wut ist eine sehr ansteckende Emotion, doch Wut macht
bekanntlich blind. Wenn Ihr Kind wütend ist, sollten Sie
versuchen ruhig zu bleiben. Vielleicht hilft es Ihnen bewusst zu
atmen. Die Wut Ihres Kindes ist ein kraftvoller Ausdruck, dass
etwas nicht stimmt. Wenn Ihr Kind z. B. im Supermarkt (für ein
kleines Kind ein Ort der totalen Reizüberflutung) wütend
wird, sollten Sie nicht versuchen Ihr Kind zu verändern,
sondern besser die Situation beim Einkaufen. Wenn wir respektvoll
Grenzen setzen wollen, dann müssen wir zuerst nachspüren,
wie wir selbst Grenzen gesetzt bekommen wollen. Welche Art
Grenzsetzung, z. B. Ihrer Frau oder Ihres Chefs, können Sie
annehmen und bei welcher Art Grenzsetzung werden Sie nur noch
wütender? Kommt die Grenzsetzung z. B. von oben herab, ist
besserwisserisch oder nimmt Ihre Gefühle nicht wahr, so ist
sie meist unannehmbar. Eine Grenzsetzung von Mensch zu Mensch, in
der Sie mit Ihren Bedürfnissen ernst genommen werden,
können Sie jedoch recht leicht annehmen.

Buchtipp: Familien brauchen Väter Felix
Rohner-Dobler
Kösel
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