|
Ich war erstaunt, wie schwer es war, Mutter zu sein. Ich war
wütend. Warum hatte mich niemand darauf vorbereitet? Ich hatte
das Gefühl, die einzige zu sein, die nicht weiß, wie sie
mit einem Baby umgehen soll, und irgendwie hatte man bei meiner
Erziehung vergessen, es mir zu sagen.
Elternsein ist eine äußerst schwierige Aufgabe, auf die
man sich nicht wirklich vorbereiten kann. Können wir sie
leichter machen? Die Antwort von Magda Gerber lautet Ja. Wie?
— indem wir nicht versuchen, Unmögliches zu tun,
während wir das versäumen, was auf der Hand
liegt.
Magda Gerber
lernte in den 30er Jahren die Arbeit von Dr. Emmi Pikler kennen.
Später wanderte sie nach Amerika aus und widmete sich dort
weiterhin dem Gebiet der Kleinkindpädagogik. So gründete
sie die Organisation Resources für Infant Educarer (RIE), die
eine in Amerika weithin bekannte Form von Mutter-Kind-Gruppen
entwickelt hat. Magda Gerber berichtet davon, was man von Babys und
Kleinkindern erwarten kann, und zeigt uns, wie das Unmögliche
möglich wird: auf die Bedürfnisse eines Baby einzugehen,
ohne sich selbst dabei vollkommen zu verausgaben.
Erfreuen Sie sich mehr an Ihrem Baby, arbeiten Sie
weniger
Wenden Sie sich Ihrem Baby mit Ruhe und Gelassenheit zu, beobachten
und erfreuen Sie sich daran, was Ihr Baby gerade tut. Die Aufgabe
der Eltern besteht darin, für eine sichere und
zuverlässige Umgebung zu sorgen. Sie müssen ein
Gespür für die sich verändernden Bedürfnisse
ihres Kindes entwickeln; das Kind muss Ihre fürsorgliche
Präsenz spüren. Aber Sie müssen ihm nichts
beibringen.
Die Bedürfnisse von Kindern und Eltern
erfüllen
Was brauchen Kleinkinder wirklich, und wie können Eltern diese
Bedürfnisse erkennen und erfüllen? Und was brauchen
Eltern und wie können sie ihre eigenen Bedürfnisse
erkennen und erfüllen?
Respekt
Wir respektieren die Babys nicht nur, wir zeigen ihnen unseren
Respekt jedes Mal, wenn wir mit ihnen zu tun haben. Ein Kind
respektieren bedeutet, auch den kleinsten Säugling als einen
einzigartigen Menschen zu behandeln, und nicht als ein Objekt. Wir
zeigen zum Beispiel Respekt, indem wir ein Kind nicht hochnehmen,
ohne es vorher zu sagen, indem wir direkt zu ihm sprechen und nicht
über es und indem wir auf die Antwort oder Reaktion des Kindes
warten. Solch eine respektvolle Haltung trägt dazu bei, dass
sich ein Kind zu einem authentischen Menschen entwickeln kann. Ein
authentisches Kind ist ein Kind, das sich sicher, autonom und
kompetent fühlt. Wenn wir einem Kind helfen, sich sicher und
wertgeschätzt zu fühlen und ihm das Gefühl geben,
„jemand ist tief und wahrhaft an mir interessiert“,
durch die Art und Weise wie wir einfach schauen und zuhören,
dann beeinflussen wir die ganze Persönlichkeit des Kindes und
die Weise, wie es das Leben sieht.
Vertrauen in die Kompetenz des Kindes
Wir haben das Grundvertrauen in das Kind, dass es ein Initiator
ist, dass es ein Forscher ist, den es dazu drängt, das zu
lernen, wofür er bereit ist. Aufgrund dieses Vertrauens geben
wir dem Kind nur soviel Hilfe, wie nötig ist, dass es sich
daran freuen kann, seine eigenen Handlungen zu meistern.
Einfühlsame Beobachtung
Unsere Methode, die von Respekt für die Kompetenz des Kindes
geleitet ist, ist die Beobachtung. Wir beobachten sorgfältig,
um die Kommunikation des Kindes und seine Bedürfnisse zu
verstehen. Je mehr wir beobachten, um so mehr verstehen und
schätzen wir die enorme Menge und Geschwindigkeit des Lernens,
das während der ersten zwei oder drei Lebensjahre geschieht.
Wir werden bescheidener, bringen den Kindern weniger bei und
stellen stattdessen eine Umgebung, die Lernen ermöglicht, zur
Verfügung.
Bei der Pflege: das Kind mit einbeziehen
Während der Pflege (Wickeln, Stillen oder Füttern, Baden,
Anziehen usw.) ermutigen wir auch das kleinste Kind dazu, ein
aktiver Teilnehmer zu werden. Eltern schaffen Gelegenheiten
für Interaktion, Kooperation, Intimität und Freude
aneinander, wenn sie während der Zeit, die sie ohnehin mit
ihrem Kind verbringen, mit ganzem Herzen mit ihm zusammen sind.
Durch solche angenehme Erfahrungen bei der Pflege, die nicht in
Eile geschehen, sind die Kinder „gesättigt“ und
mit nur einem Minimum an Interventionen durch Erwachsene bereit,
ihre Umgebung zu erforschen.
Eine sichere, anregende, zuverlässige Umgebung
Unsere Aufgabe besteht darin, eine Umgebung zu schaffen, in der ein
Kind all die Dinge tun kann, die es von Natur aus tun möchte.
Je zuverlässiger eine Umgebung ist, um so leichter ist es
für Babys zu lernen. Wenn die Kinder ihren Bewegungsradius
erweitern, dann brauchen sie einen sicheren, angemessenen Raum, in
dem sie sich bewegen können. Ihre natürliche, angeborene
Lust sich zu bewegen, sollte von der Umgebung nicht behindert
werden.
Zeit für nicht unterbrochenes Spielen und Freiheit zu
erforschen
Wir geben dem Kind eine Menge Zeit zum Spielen, das nicht
unterbrochen wird. Statt zu versuchen, Babys neue Fertigkeiten
beizubringen, wertschätzen und bewundern wir das, was sie
wirklich tun.
Mehr Orientierungshilfen für Eltern finden Sie beim
angeführten Buchtipp.

Buchtipp
Magda Gerber
„Dein Baby zeigt dir den Weg“
Arbor Verlag
www.mit-kindern-wachsen.de
|
|