|
Die wohl spannendste und intensivste Zeit ihres Lebens erlebt
„frau“ sicherlich während der Schwangerschaft,
Geburt und im ersten Lebensjahr ihres Kindes. Nie mehr wieder gibt
es soviel Neues zu erfahren wie in dieser Zeit. Dass dabei Fragen,
Ängste und das Gefühl von Unzulänglichkeit
auftauchen, liegt wohl auf der Hand. Und so sollte die Familie, die
mit jeder Geburt immer wieder neu entsteht, soviel
Unterstützung wie nur möglich erfahren. Doulas (das Wort
leitet sich aus dem Altgriechischen ab und bedeutet „Dienerin
der Frau“) sind von Anfang an an der Seite der Frau,
begleiten und stärken die Gebärende. Diese intensive
Begleitung, die sich auch nach der Geburt fortsetzen kann, hat
nachweisbar positive Auswirkungen auf das Geburtsgeschehen und
hilft der Familie in diesen neuen Lebensabschnitt von Anfang an
emotional gestärkt hineinzugehen.
Baby Guide sprach mit Astrid Huß-Töfferl, Doula und
Obfrau des Vereins Doulas in Austria (www.doula.at), selbst Mutter
von drei Kindern.
Was ist eine Doula?
Eine Grundvoraussetzung für den Beruf der Doula ist es, selbst
schon geboren zu haben. Man kann sich in Situationen ganz einfach
besser einfühlen bzw. diese auch nachvollziehen, wenn sie
selbst erlebt und durchlebt wurden. Eine Doula hat durch ihre
Ausbildung ein fundiertes Wissen rund um das Thema Schwangerschaft,
Geburt und Wochenbett, aber sie ersetzt auf keinen Fall die Hebamme
oder den Arzt. Sie darf keine medizinische Funktion, in welcher Art
auch immer, ausüben und übernehmen.
Eine Doula ist in dieser besonderen Zeit der Schwangerschaft,
Geburt und des Wochenbetts eine emotionale und psychische
Stütze für die werdende Mutter („mothering the
mother“), aber auch für den werdenden Vater.
In den großen Wirkungsbereich der Doulas gehören aber
auch Begleitungen in speziellen Situationen – ein Baby mit
Behinderung wird erwartet, ein Baby ist nicht lebensfähig,
eine Begleitung zuhause nach einer Frühgeburt, Begleitung nach
einer Totgeburt.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist auch die
Betreuung von allein erziehenden Müttern.
Wie steht sie der werdenden Mutter bei?
Ich würde diese Frage nicht nur auf werdende Mutter
beschränken, sondern gerne auch auf die gewordene Mutter
erweitern. Durch die gesellschaftliche Wende zur Klein- und
Kleinstfamilie ergeben sich für die jungen Mütter in der
heutigen Zeit ganz neue Situationen. Oft sind sie ganz auf sich
alleine gestellt. Hieraus resultiert der vielfältige
Einsatzbereich der Doula.
Die Doula kann schon als erste Ansprechperson fungieren. Oft kann
es auch sein, z.b. bei kritischen Befunden, dass eine werdende Mama
nicht alleine zur Vorsorgeuntersuchung gehen möchte.
Während der Geburt betreut sie die werdende Mama
einfühlsam, individuell und kontinuierlich – je nachdem
welches Bedürfnis die Gebärende hat (umsorgen, ermutigen,
Entspannung durch Massage, gemeinsames Atmen; einfach nur da sein,
Betreuung der älteren Geschwister bei Hausgeburten usw.). Nach
der Geburt des Babys ist die Mutter genauso
„neugeboren“ wie ihr Kind, besonders wenn es die erste
Entbindung war. Die Doula bietet Beratung und Unterstützung
beim Übergang in das neue Familienleben und in den
Familienalltag (Partnerschaft und Elternschaft).
Wie entlastet sie den werdenden Vater?
Auch auf den Vätern lastet in der heutigen Zeit ein enormer
Druck. Es werden viel zu hohe Erwartungen an sie gestellt, wie sie
sich während der Schwangerschaft ihrer Partnerin
gegenüber verhalten sollen, wie sie diese während der
Geburt und dem Wochenbett unterstützen sollen. Der Vater hat
alles perfekt zu machen. Es wird aber oft vergessen, dass die Zeit
des Kinderwunsches, der Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und das
erste Babyjahr emotionales Neuland sind, und die Väter oft
nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen – sie sind ganz
einfach überwältigt von der neuen Situation. In diesen
Zeiten kann die Doula auch entlastend für den Vater wirken
....
Welche Auswirkungen hat die Doula auf das Geburtsgeschehen und
warum?
Wissenschaftliche Untersuchungen (Klaus, Kennell, Klaus; 1993,
Hodnett et al, 2003) zeigen, dass die kontinuierliche Begleitung
einer Doula während der Geburt Interventionen signifikant
reduzieren kann und sich positiv auf das ganze Geburtsgeschehen
auswirkt (geringere Kaiserschnittrate, weniger Zangengeburten ,
weniger Wehenmittel , weniger medikamentöse
Schmerzbekämpfung, geringere Nachfrage nach einer PDA). Diese
Auswirkungen sind durch die konstante Betreuung während der
Geburt zu erklären – es wird der grundlegende Wunsch
nach Sicherheit und Geborgenheit erfüllt und das wirkt sich
positiv aus.
Zitat von John H. Kennell: "Wären die mit einer Doula
erzielten Ergebnisse mit einem Medikament oder einem neuen Apparat
zu erreichen, dann gäbe es eine ungeheuere Nachfrage nach
dieser Neuerung, aber leider entspricht die Doula noch nicht der
medizinischen Lehrmeinung."
Ist die Doula zusätzlich zur Hebamme bei der Geburt dabei?
Kommt sie auch mit ins Krankenhaus oder arbeitet sie nur im
Geburtshaus bzw. bei einer Hausgeburt?
Eine Doula ist zusätzlich zur Hebamme bei der Geburt dabei -
sie darf auf keinen Fall eine Geburt alleine begleiten. Eine
Begleitung erfolgt im Krankenhaus, im Geburtshaus oder bei einer
Hausgeburt. Es gibt Kooperationen mit vielen Krankenhäusern
– leider ist es in manchen österreichischen
Krankenhäusern aber oft noch so geregelt, dass nur eine
Begleitperson mit der Gebärenden mit in den Kreißsaal
darf.
Ist die Doula vor der Geburt schon Ansprechpartnerin? Wie lange
steht sie nach der Geburt der Mutter zur
Verfügung?
Eine Doula ist natürlich schon vor der Geburt für die
werdende Mutter/die werdenden Eltern da. Zu welchem Zeitpunkt in
der Schwangerschaft eine Doula kontaktiert wird, hängt ganz
vom Bedürfnis der werdenden Mutter ab. Meine früheste
Betreuung begann in der 7. Schwangerschaftswoche, meine
späteste im Wochenbett. Also ganz
unterschiedlich...
Wie findet man eine Doula? Welche Kosten entstehen?
Auf der Vereinswebsite von Doulas in Austria (DiA) unter
www.doula.at findet man eine Liste für jedes Bundesland mit
Adressen von Doulas , welche die DiA-Ausbildung durchlaufen haben
und am strengen Ethikcode von DiA orientiert arbeiten.
Die Tarife sind nicht einheitlich geregelt und müssen bei
jeder Doula individuell erfragt werden. In der Praxis ist es jedoch
oft so, dass DiA- Doulas für einkommensschwache Frauen/Paare
oder kinderreiche Familien einen Nachlass gewähren,
gemäß dem Leitsatz „eine Doula für jede Frau,
die eine will“. Projekte in denen Doulabegleitungen von der
öffentlichen Hand gefördert werden (wie z.B. in Graz)
werden Österreichweit zum Wohle der Frauen angestrebt und
hoffentlich umgesetzt werden.
|