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Diese bange Frage stellen heute die meisten Eltern, wenn das
freudige Ereignis bevorsteht. Zwei bis drei von 100 Elternpaaren
werden während der Schwangerschaft mit der Information
konfrontiert, dass ihr Ungeborenes erkrankt ist bzw. in irgendeiner
Form eine Auffälligkeit besteht. Dank der modernen
Pränatalmedizin ist es jedoch möglich, in vielen
Fällen nicht nur eine genaue Diagnose zu stellen, sondern
bereits vor der Geburt eine entsprechende Behandlung zu beginnen.
Baby Guide interviewte den Experten, Prof. Dr. Josef Deutinger, zu
diesem Thema
Baby Guide: Welche Erkrankungen sind die wichtigsten, von denen das
Ungeborenen betroffen sein kann?
Prof. Deutinger:
Im Wesentlichen unterscheiden wir drei verschiedene Arten der
Erkrankung. Zum einen Infektionskrankheiten der Mutter wie
Röteln, Feuchtblattern, Toxoplasmose, und die Infektion mir
dem Herpesvirus. Da heute ein entsprechendes Screening nach
Toxoplasmose vorgenommen wird (jede Frau wird im Rahmen der
Mutter-Kind-Paß-Untersuchung auf die Immunität
untersucht), wird eine derartige Erkrankung meist rechtzeitig
erkannt und auch behandelt. Bei Toxoplasmose ist bei entsprechender
Behandlung (mit Malariamitteln!) für das Neugeborene kein
Schaden zu erwarten. Anders sieht es z. B. bei der
Rötelninfektion aus, insbesondere wenn diese vor der 16.
Schwangerschaftswoche nachgewiesenermaßen bei der Mutter
erstmals auftritt. Diese mütterliche Erkrankung kann zu
schwerster Schädigung des Ungeborenen führen, sie muss es
aber nicht. Früher wurde jeder Frau, die in der
Frühschwangerschaft an einer Rötelninfektion erkrankte,
ein medizinisch indizierter Schwangerschaftsabbruch in Aussicht
gestellt. Heute ist dies dank der modernen Pränatalmedizin
nicht mehr notwendig. Mittels Nabelschnurpunktion um die 20.
Schwangerschaftswoche kann mit Sicherheit nachgewiesen bzw.
ausgeschlossen werden, ob das Ungeborene an dieser schrecklichen
Infektion erkrankt ist. Zu diesem Zeitpunkt wäre es immer noch
früh genug, bei nachgewiesener schwerer Schädigung einen
medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch
vorzunehmen.
Die zweite wichtige Gruppe an Erkrankungen sind die
Chromosomenschäden, also Veränderungen der Erbanlagen der
Ungeborenen.
Baby Guide: Wodurch entstehen diese?
Prof. Deutinger:
Meist treten diese spontan auf, d.h. es kann jeder davon betroffen
sein. Allerdings weiß man, dass mit der Zunahme des Alters,
vor allem dem der Mutter, das Risiko für bestimmte
Chromosomenanomalien steigt. So ist das Risiko für eine
werdende Mutter mit einem Alter von 30 Jahren etwa 1 : 700,
während eine Frau um 35 etwa ein Risiko von 1 : 250 hat, dass
ihr Kind eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) hat.
Baby Guide: Wie kann eine derartige Erkrankung erkannt
werden?
Prof. Deutinger:
Das Risiko kann durch eine Ultraschalluntersuchung zwischen der 11.
und 14. Schwangerschaftswoche ("Nackentransparenzmessung") bestimmt
werden. Hat dieses Nackentransparenz eine Ausdehnung von 3 oder
mehr Millimetern, sollte eine invasive Diagnostik (also z.B. eine
Fruchtwasserpunktion) ins Auge gefaßt werden. Eine weitere
Verbesserung der Genauigkeit ergibt sich durch eine Blutabnahme
(entweder im 1. Schwangerschaftsdrittel — Combined Test)
oder/und zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche (Triple
Test, Sequential Test). Beide Tests bedürfen großer
Erfahrung des Untersuchers, sie stellen aber nur eine
Risikoberechnung dar! Eine 100%ige Sicherheit erhält man immer
nur durch eine Punktion (Fruchtwasserpunktion bzw.
Chorionbiopsie).
Optimaler Zeitpunkt für Ultraschalluntersuchungen bzw.
für die nicht invasive und
invasive pränatale Diagnostik während der
Schwangerschaft.
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Optimale pränatale Felddiagnostik
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Ultraschall
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Bestmögliche vorgeburtliche Untersuchungen des
Kindes
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Terminbestimmung, Vitalitätskontrolle, Ausschluss einer
Eileiterschwangerschaft
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6.-8. SSW
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Kontrolle der Schwangerschaftsdauer, frühester Nachweis der
Herzaktion des Kindes
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Nackentransparenzuntersuchung (ev. Combined Test),
Mehrlingsdiagnostik
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10. — 13. SSW
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Kontrolle früher Hinweiszeichen auf Chromosomenstörungen,
Ausschluss einer Mehrlingsschwangerschaft
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Hinweiszeichen für Chromosmenstörungen, Triple Test,
Sequentialtest
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16. — 18. SSW
ev. Amniozentese
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Bestimmung der Schwangerschaftshormone sowie sonographischer
Hinweiszeichen auf Störungen der Erbmerkmale
Kombination von Combined und Triple
Test
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Organscreening
Fetale Echokardiographie eventuell Zervixmessung
und Dopplerscreening
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20. — 22. SSW
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Fehlbildungsausschluss, fetale
Herzuntersuchung
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Ausschluss einer frühen Wachstumsstörung bzw.
Dopplersonographie, Ausschluss funktioneller
Fehlbildungen
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26.-28. SSW
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Ausschluss einer Plazentainsuffizien
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Plazentabeurteilung, Dopplersonographie, Lagekontrolle
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32.-34. SSW
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Ausschluss später Wachstumsstörungen
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Baby Guide: Welche Methoden stehen uns heute für die
Diagnostik der verschiedenen Erkrankungen des Ungeborenen zur
Verfügung?
Prof. Deutinger:
Die wichtigste Untersuchung stellt die Ultraschalluntersuchung dar,
mit der heute das Ungeborene bis ins kleinste Detail untersucht
werden kann. Die optimale Untersuchung Ihres Kindes in der ersten
Schwangerschaftshälfte stellt das so genannte 3 Punkt
Screening dar. Mit dessen Hilfe kann die bestmögliche
Sicherheit für ein gesundes Kind (Fehlen einer Schädigung
der Erbanlagen bzw. Fehlen von organischen und strukturellen
Auffälligkeiten) gegeben werden.
Das 3 Punkt Screening besteht aus folgenden 3
Untersuchungen:
Nackentransparenz Ultraschall Screening zwischen der 11. und
14.SSW; Triple Test (bzw. Sequentialtest) zwischen der 16. und 18.
SSW und das Organscreening zwischen der 20. und 22.SSW.
Gelegentlich ist es erforderlich, bei der Ultraschalluntersuchung
auch die Durchblutung des ungeborenen Kindes mittels
Dopplerultraschall zu messen.
Baby Guide: Gibt es weitere Erkrankungen, die vor der Geburt
erkannt bzw. behandelt werden können?
Prof. Deutinger:
Die dritte wichtige Gruppe der fetalen Erkrankungen stellt jene
dar, bei der beim Ungeborenen Veränderungen im Bereich der
Organe nachweisbar sind. Es sollen hier nur einige Beispiele
angeführt werden: Erweiterung der fetalen Nierenbecken, eine
offene Bauchwand, wodurch Magen, Darm und Leber frei in der
Fruchtwasserhöhle vor dem Bauch des Ungeborenen schwimmen,
Wirbelsäulenverschlussstörungen (Spina bifida),
Hydrozephalus (Wassereinlagerungen in den Hirnhohlräumen) und
viele andere mehr.
Dank der pränatalen Medizin und Dank ausgezeichneter
Ultraschallgeräte in der Hand erfahrener Untersucher gelingt
es heutzutage, viele dieser Erkrankungen meist rechtzeitig zu
diagnostizieren und eine entsprechende Planung für den
weiteren Verlauf der Schwangerschaft bzw. Geburtszeitpunkt und
Geburtsmodus anzustellen. Bei bestimmten Erkrankungen des Kindes
kann es z.B. von Vorteil sein, die Geburt mittels Kaiserschnitt
durchzuführen, um dadurch das Ungeborene möglichst
schonend auf die Welt zu bringen.
Eine Sonderform der Erkrankung des Ungeborenen stellt die
Blutgruppenunverträglichkeit, die Rhesus-
Inkompatibilität dar. Das heißt, die rhesus-negative
Mutter bildet Antikörper gegen das Blut ihres ungeborenen
Kindes. Das kann zu schweren Beeinträchtigungen, ja sogar zum
Tod des Ungeborenen führen. Seit kurzer Zeit sind die
Pränatalmediziner nun in der Lage, diese schwere Erkrankung
des Ungeborenen bereits in der Gebärmutter so zu behandeln,
dass dieses völlig gesund zur Welt gebracht werden kann. Als
Vorbeugung werden in der 28. — 30. Schwangerschaftswoche und
nach der Geburt Immunglobuline verabreicht. Genauere Auskunft
über die Rhesusprophylaxe während der Schwangerschaft und
nach der Geburt gibt ihnen ihr behandelnder Arzt. Trotz der
großen Zahl von möglichen Erkrankungen des ungeborenen
Kindes haben die Pränatalmediziner doch meistens gute
Nachrichten und können so zu einem unbeschwerten Verlauf der
Schwangerschaft beitragen. Für die meisten Erkrankungen aber
gibt es heute schon gute Behandlungsmöglichkeiten, wenn eine
entsprechende richtige Diagnose durch den Spezialisten rechtzeitig
erstellt worden ist.
Baby Guide: Wir danken für das Gespräch!
Prof. Dr. J. Deutinger
Institut Gyn - Schall
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